Ein starkes Horror-Konzept, ein dystopisches Setting und verstörende Bilder: Sleep Awake hat auf dem Papier alles, was ein moderner Genre-Geheimtipp braucht. Im Test zeigt sich jedoch, dass eine brillante Idee allein nicht reicht.
Ein starkes Horror-Konzept, ein dystopisches Setting und verstörende Bilder: Sleep Awake hat auf dem Papier alles, was ein moderner Genre-Geheimtipp braucht. Im Test zeigt sich jedoch, dass eine brillante Idee allein nicht reicht.
„Was wäre, wenn ihr nie wieder schlafen könntet?“ - allein diese Frage reicht aus, um Unbehagen auszulösen. Genau hier setzt Sleep Awake an. In der Spielwelt hat eine mysteriöse Katastrophe namens The Hush eingesetzt. Seitdem ist Schlaf kein Rückzugsort mehr, sondern ein potenzielles Todesurteil. Wer die Augen schließt, riskiert, dass „etwas Schreckliches“ passiert.
Das ist ein hervorragender Horroransatz, irgendwo zwischen gesellschaftlicher Paranoia, existenzieller Erschöpfung und einem Albtraum, den man lieber mit einem sehr starken Kaffee verdrängen möchte. Gedanklich schwebt irgendwo eine morbide Version von A Nightmare on Elm Street über jeder Szene - nur eben auf jeder Straße gleichzeitig.

Leider scheint Entwickler Eyes Out selbst etwas zu tief in die Kaffeetasse geschaut zu haben. Bereits in der ersten Spielstunde feuert Sleep Awake ein wahres Dauerfeuer an Eindrücken ab: bizarre Visuals, reale Videoeinspieler, eine Flut an Eigennamen, dichtes Worldbuilding und gefühlt jedes verstörende Bild, das das Studio im Köcher hatte.
Das Problem dabei: Während die Ästhetik zunehmend surreal wird, bleibt das eigentliche Spiel, das alles zusammenhalten soll, überraschend konventionell. Der Kontrast zwischen visueller Ambition und spielmechanischer Zurückhaltung wirkt oft irritierend - als würde man durch einen Albtraum laufen, dessen Regeln erschreckend bekannt sind.
Ihr schlüpft in die Rolle von Katja, die zu Beginn eine augentropfenartige Droge für sich selbst und für eine gewisse Amma zusammenbraut, die viele Kilometer entfernt lebt. Angesichts eines brutalen Polizeistaats voller prügelnder Ordnungshüter fragt man sich unweigerlich, warum diese beiden nicht längst zusammengezogen sind - rein aus Überlebensgründen.
Die rund drei bis vier Stunden Spielzeit verbringt ihr überwiegend in einer heruntergekommenen Stadt, die selbst dem Bürgermeister von Silent Hill zu schmutzig erscheinen dürfte. Verlassene Wohnungen, ein Theater für unmoralische Anti-Schlaf-Experimente und totalitäre Propagandaplakate prägen das Bild. Atmosphärisch ist das alles stimmig - aber eben auch erstaunlich vertraut.

Wo Sleep Awake visuell punktet, sind die Halluzinationen, die Katjas zunehmende Erschöpfung widerspiegeln. Wände scheinen zu atmen, Aktenschränke tanzen aus Mauern heraus, und plötzlich füllen rotierende Messer eine Drehkreuzschranke. Das ist kreativ, bizarr und definitiv sehenswert.
Doch hier liegt ein Kernproblem: Viele der eindrucksvollsten Bilder tauchen genau dann auf, wenn ihr in absoluter Sicherheit seid. Live-Action-Montagen mit schreienden Menschen oder extremen Nahaufnahmen von Augen mögen verstören, stellen euch spielerisch aber vor keinerlei Bedrohung. Es dauert viel zu lange, bis das Spiel seine visuellen Ideen tatsächlich mit spielerischem Druck verbindet.

Wenn schließlich Gegner auftreten, sind es meist wütende Männer mit Knüppeln und Gasmasken. Horror-Klischee Nummer 974 lässt grüßen. Ihr müsst euch an ihnen vorbeischleichen, unter Hindernissen hindurchkriechen oder durch Lüftungsschächte manövrieren.
Das ist funktional und gelegentlich auch spannend, aber mechanisch alles andere als originell. Gerade im Vergleich zu Still Wakes the Deep, das ähnliche Schleichmechaniken mit einem visuell einzigartigen Gegner kombiniert, wirkt Sleep Awake erschreckend austauschbar. Der Schrecken nutzt sich schnell ab - und weicht stellenweise echter Müdigkeit.
Katja hat ihren Vater und ihren Bruder verloren - ein schweres Schicksal, das erklärt, warum sie nicht gerade als Stimmungskanone durchgeht. Dennoch bleibt sie als Figur erstaunlich blass. Ihre Dialoge sind oft von Flüchen und technokratischem Vokabular geprägt, wirken aber selten emotional greifbar.
Auch Nebenfiguren dienen eher als wandelnde Infodumps denn als echte Charaktere. Zwar stößt ihr immer wieder auf Erinnerungen von Menschen, die dem Schlaf zum Opfer gefallen sind, doch diese Mini-Geschichten bleiben abstrakt und emotional distanziert. Die zahlreichen Texte und Dokumente könnten das ändern, sind aber häufig trocken, überlang und erstaunlich geschmacksneutral.

Ganz abschreiben wollen wir Sleep Awake aber nicht. In der zweiten Spielhälfte findet das Spiel endlich zu einer besseren Balance. Surreale Bilder und Stealth-Gameplay greifen nun deutlich stärker ineinander.
Ein später Gegner mit einer cleveren „Nicht-hinschauen“-Mechanik und exzellentem Sounddesign sorgt erstmals für echten Nervenkitzel. Plötzlich ist er da, der Horror, den man sich von Beginn an erhofft hat. Die Frage bleibt nur: Warum so spät - und warum so kurz?
Ein weiterer später Gegner zeigt ebenfalls interessante Ansätze, erreicht aber nicht ganz die gleiche Wirkung. So endet Sleep Awake mit einem leicht versöhnlichen Gefühl, aber auch mit Frust. Hier steckt enormes Horror-Talent, doch es wird nur punktuell abgerufen.
Im Vergleich zu Genre-Kollegen wie Still Wakes the Deep fehlt es dem Spiel an Konsequenz, spielerischer Innovation und erzählerischer Zugänglichkeit. Die Prämisse ist brillant, die Bilder sind stark - doch das Fundament trägt sie nicht dauerhaft.
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Sleep Awake ist kein Totalausfall - aber ein Spiel, das sein eigenes Potenzial immer wieder verschläft. Die Horroridee gehört zu den besten der letzten Jahre, und einzelne spätere Momente zeigen eindrucksvoll, wozu Eyes Out fähig ist. Dazwischen liegt jedoch viel altbekanntes Schleichen, zu dichte Lore und zu wenig spielerischer Mut.
Wer atmosphärischen Horror liebt und bereit ist, über mechanische Müdigkeit hinwegzusehen, kann hier dennoch interessante Momente erleben. Alle anderen wachen vermutlich mit dem Gefühl auf, etwas verpasst zu haben.
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🟥 Negativ:
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Sleep Awake ist für PS5, Xbox Series X/S und PC erhältlich.
„Was wäre, wenn ihr nie wieder schlafen könntet?“ - allein diese Frage reicht aus, um Unbehagen auszulösen. Genau hier setzt Sleep Awake an. In der Spielwelt hat eine mysteriöse Katastrophe namens The Hush eingesetzt. Seitdem ist Schlaf kein Rückzugsort mehr, sondern ein potenzielles Todesurteil. Wer die Augen schließt, riskiert, dass „etwas Schreckliches“ passiert.
Das ist ein hervorragender Horroransatz, irgendwo zwischen gesellschaftlicher Paranoia, existenzieller Erschöpfung und einem Albtraum, den man lieber mit einem sehr starken Kaffee verdrängen möchte. Gedanklich schwebt irgendwo eine morbide Version von A Nightmare on Elm Street über jeder Szene - nur eben auf jeder Straße gleichzeitig.

Leider scheint Entwickler Eyes Out selbst etwas zu tief in die Kaffeetasse geschaut zu haben. Bereits in der ersten Spielstunde feuert Sleep Awake ein wahres Dauerfeuer an Eindrücken ab: bizarre Visuals, reale Videoeinspieler, eine Flut an Eigennamen, dichtes Worldbuilding und gefühlt jedes verstörende Bild, das das Studio im Köcher hatte.
Das Problem dabei: Während die Ästhetik zunehmend surreal wird, bleibt das eigentliche Spiel, das alles zusammenhalten soll, überraschend konventionell. Der Kontrast zwischen visueller Ambition und spielmechanischer Zurückhaltung wirkt oft irritierend - als würde man durch einen Albtraum laufen, dessen Regeln erschreckend bekannt sind.
Ihr schlüpft in die Rolle von Katja, die zu Beginn eine augentropfenartige Droge für sich selbst und für eine gewisse Amma zusammenbraut, die viele Kilometer entfernt lebt. Angesichts eines brutalen Polizeistaats voller prügelnder Ordnungshüter fragt man sich unweigerlich, warum diese beiden nicht längst zusammengezogen sind - rein aus Überlebensgründen.
Die rund drei bis vier Stunden Spielzeit verbringt ihr überwiegend in einer heruntergekommenen Stadt, die selbst dem Bürgermeister von Silent Hill zu schmutzig erscheinen dürfte. Verlassene Wohnungen, ein Theater für unmoralische Anti-Schlaf-Experimente und totalitäre Propagandaplakate prägen das Bild. Atmosphärisch ist das alles stimmig - aber eben auch erstaunlich vertraut.

Wo Sleep Awake visuell punktet, sind die Halluzinationen, die Katjas zunehmende Erschöpfung widerspiegeln. Wände scheinen zu atmen, Aktenschränke tanzen aus Mauern heraus, und plötzlich füllen rotierende Messer eine Drehkreuzschranke. Das ist kreativ, bizarr und definitiv sehenswert.
Doch hier liegt ein Kernproblem: Viele der eindrucksvollsten Bilder tauchen genau dann auf, wenn ihr in absoluter Sicherheit seid. Live-Action-Montagen mit schreienden Menschen oder extremen Nahaufnahmen von Augen mögen verstören, stellen euch spielerisch aber vor keinerlei Bedrohung. Es dauert viel zu lange, bis das Spiel seine visuellen Ideen tatsächlich mit spielerischem Druck verbindet.

Wenn schließlich Gegner auftreten, sind es meist wütende Männer mit Knüppeln und Gasmasken. Horror-Klischee Nummer 974 lässt grüßen. Ihr müsst euch an ihnen vorbeischleichen, unter Hindernissen hindurchkriechen oder durch Lüftungsschächte manövrieren.
Das ist funktional und gelegentlich auch spannend, aber mechanisch alles andere als originell. Gerade im Vergleich zu Still Wakes the Deep, das ähnliche Schleichmechaniken mit einem visuell einzigartigen Gegner kombiniert, wirkt Sleep Awake erschreckend austauschbar. Der Schrecken nutzt sich schnell ab - und weicht stellenweise echter Müdigkeit.
Katja hat ihren Vater und ihren Bruder verloren - ein schweres Schicksal, das erklärt, warum sie nicht gerade als Stimmungskanone durchgeht. Dennoch bleibt sie als Figur erstaunlich blass. Ihre Dialoge sind oft von Flüchen und technokratischem Vokabular geprägt, wirken aber selten emotional greifbar.
Auch Nebenfiguren dienen eher als wandelnde Infodumps denn als echte Charaktere. Zwar stößt ihr immer wieder auf Erinnerungen von Menschen, die dem Schlaf zum Opfer gefallen sind, doch diese Mini-Geschichten bleiben abstrakt und emotional distanziert. Die zahlreichen Texte und Dokumente könnten das ändern, sind aber häufig trocken, überlang und erstaunlich geschmacksneutral.

Ganz abschreiben wollen wir Sleep Awake aber nicht. In der zweiten Spielhälfte findet das Spiel endlich zu einer besseren Balance. Surreale Bilder und Stealth-Gameplay greifen nun deutlich stärker ineinander.
Ein später Gegner mit einer cleveren „Nicht-hinschauen“-Mechanik und exzellentem Sounddesign sorgt erstmals für echten Nervenkitzel. Plötzlich ist er da, der Horror, den man sich von Beginn an erhofft hat. Die Frage bleibt nur: Warum so spät - und warum so kurz?
Ein weiterer später Gegner zeigt ebenfalls interessante Ansätze, erreicht aber nicht ganz die gleiche Wirkung. So endet Sleep Awake mit einem leicht versöhnlichen Gefühl, aber auch mit Frust. Hier steckt enormes Horror-Talent, doch es wird nur punktuell abgerufen.
Im Vergleich zu Genre-Kollegen wie Still Wakes the Deep fehlt es dem Spiel an Konsequenz, spielerischer Innovation und erzählerischer Zugänglichkeit. Die Prämisse ist brillant, die Bilder sind stark - doch das Fundament trägt sie nicht dauerhaft.
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Sleep Awake ist kein Totalausfall - aber ein Spiel, das sein eigenes Potenzial immer wieder verschläft. Die Horroridee gehört zu den besten der letzten Jahre, und einzelne spätere Momente zeigen eindrucksvoll, wozu Eyes Out fähig ist. Dazwischen liegt jedoch viel altbekanntes Schleichen, zu dichte Lore und zu wenig spielerischer Mut.
Wer atmosphärischen Horror liebt und bereit ist, über mechanische Müdigkeit hinwegzusehen, kann hier dennoch interessante Momente erleben. Alle anderen wachen vermutlich mit dem Gefühl auf, etwas verpasst zu haben.
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🟥 Negativ:
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Sleep Awake ist für PS5, Xbox Series X/S und PC erhältlich.
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